Perspektiven für die Landesstellenplanung 2010 von OKR Greiner

Einführung in die Landesstellenplanung

Konsultation „Grundlinien Landesstellenplanung 2010“

6./7. Juli 2007, Augsburg

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Liebe Schwestern und Brüder
Die folgende Hinführung zur neuen Landesstellenplanung (LSP) gliedert sich in drei
Hauptteile. Zunächst nenne ich wichtige Vorgehensweisen, die sich in der Vergangenheit der
Landesstellenplanungen bewährt haben, verbunden mit dem Vorschlag, dies auch bei der
zukünftigen LSP analog beizubehalten. In einem zweiten Teil nenne ich den
Innovationsbedarf und in einem dritten Teil den Klärungsbedarf, den ich – im Konsens mit
den anderen Mitgliedern unseres Vorbereitungsteams - im Blick auf die kommende LSP sehe.
Die Punkte, die ich in allen drei Feldern benenne, sind in keiner Weise abschließend gemeint,
sondern exemplarisch. Sie sollen unser Gespräch zu allen drei Feldern eröffnen.
1. Was hat sich bei den vergangenen Landesstellenplanungen bewährt?
Was sich bewährt hat, wollen wir auch bei der neuen Landesstellenplanung beibehalten.
1.1. Rahmenkontingente haben sich bewährt
- Für den Bereich Parochie und Dekanatsbezirke (LSP PD) hat die Synode in Würzburg
(2003/I) den Dekanatsbezirken „nur“ Rahmenkontingente für theologisches und
theologisch-pädagogisches Personal zugewiesen. Die Dekanatsausschüsse verteilten
anschließend die Stellen an die Gemeinden. Das Referat Stellenplanung setzte die
Verteilbeschlüsse, wenn sie den Kriterien genügten, fest. Dieses Verfahren hat sich
bewährt. Dies bedeutet auch: Es hat sich bewährt, dass die Verteilungskompetenz
für die zugewiesenen Rahmenkontingente bei den Dekanatsbezirken liegt.
- Für den Bereich ÜPD hat die Synode in Memmingen (1998/I) ebenfalls „nur“
Rahmenkontingente für die Handlungsfelder beschlossen. Eine Verteilung auf
Teilhandlungsfelder fand durch die Synode selbst nicht statt. Die Fachabteilungen
hatten die Aufgaben, sie auf die Teilhandlungsfelder und auch auf Einrichtungen zu
verteilen. (Dieser Schritt ist allerdings nie beschlussmäßig vollzogen worden; eine
Festsetzung erfolgte nicht.). Auch die kommende LSP sollte nur
Rahmenkontingente für Handlungsfelder beschließen und die Verteilung den
Fachabteilungen zuordnen.
1.2. Auch bei der Landesstellenplanung Parochie und Dekanatsbezirke, Teil Kirchenmusik
(LSP KM) in Augsburg (2005/I) wurden den Dekanatsbezirken lediglich Kontingente
zugewiesen, die durch den Dekanatsausschuss verteilt werden mussten. Bei dieser letzten
LSP Kirchenmusik wurde für den Bereich der Kirchenmusik der Konsolidierungsprozess
bereits konzeptionell umgesetzt. Dies geschah durch die Einführung einer
Eigenbeteiligung der Dekanatsbezirke an den Personalkosten von 10 % und durch
Kürzung von Stellen von 5%. Meines Erachtens steht für diesen Bereich daher bei der
kommenden LSP keine Stellenkürzung mehr an, wenn die Mitfinanzierung von
10 % durch Gemeinden und Dekanatsbezirke erhalten bleibt.
1.3. Es hat sich bewährt, zugleich mit der Verteilung der Kontingente auch die
Umsetzung dieser Verteilung in klaren Schritten (Zeitpunkt, Konsequenzen etc.) zu
beschließen. Die LSP ÜPD hatte keine Umsetzungsschritte beschlossen, sondern
lediglich ein Ziel, dessen Erfüllung nicht überprüft wurde. Dementsprechend konnte sich
diese LSP nicht ausreichend ordnend auswirken. Die LSP PD dagegen hat klar terminierte
Umsetzungsschritte beschlossen, die auch überprüft und eingehalten wurden. Demzufolge
können nun Besetzungsstände tagaktuell bei Bedarf umgehend ausgewertet werden. D. h,
die Voraussetzung zur Korrelation von Stelle-Einsatz-Finanzmittel wurde hergestellt.
Controlling ist möglich geworden. Die LSP KM hat ähnlich (wie die LSP ÜPD) kein
Umsetzungskonzept mit entsprechenden Konsequenzen beschlossen. Die daraus
resultierenden Schwierigkeiten sind bekannt.
1.4. Die Anzahl der Stellen, die einem Dekanatsbezirk zugewiesen werden, kann sich
nicht nur an der Gemeindegliederzahl bemessen, sondern wie bisher an einem
Kriterienbündel. Denn die Rahmenbedingungen in Stadt, Land und Diaspora sind sehr
unterschiedlich.
1.5. Es hat sich bewährt, dass für kirchenleitende Organe, Dekanatsausschüsse und
Kirchengemeinden erkennbar war, wie viel Stellenanteil den jeweiligen Gemeinden
aufgrund von transparenten Kriterien zustünde. Das hat die Verteilung der Stellen
deutlich erleichtert und eine Grundlage für begründete Entscheidungen geschaffen.
1.6. RE-Stellen haben sich bewährt. Jeder Dekanatsbezirk hat seine spezifischen
Anforderungen. Diese Anforderungen müssen nicht von kirchenleitenden Organen auf
ihre Würdigkeit hin überprüft werden. Durch die Verteilung eines festen Kontingentes
von RE-Stellen – bemessen an den Gemeindegliederzahlen - konnten Dekanatsbezirke auf
ihre spezifischen Anforderungen eingehen und im Dekanatsbezirk selbst klären, welche
Anforderungen Priorität haben. So entstanden Freiräume zur Akzentsetzung, die vom
„Springerdienst“ in anderen Gemeinden bis zur Öffentlichkeitsarbeit reichen konnte.
Allerdings wurde Bedarf angemeldet in Sachen Klärung, ob RE-Stellen auch befristet
besetzt werden können und ob die Zweckbestimmung wechseln kann, auch wenn der
Inhaber der Stelle bleibt. Eine Beschreibung der Bandbreite an Möglichkeiten im Umgang
mit RE-Stellen ist für die Zukunft sinnvoll.
Damit sind wir bereits bei der Perspektive auf anstehende Veränderungen, die mit der
kommenden LSP herbeigeführt werden sollten.
2. Was wollen wir neu einführen im Rahmen der kommenden Landesstellenplanung?
2.1. Wir wollen mit der neuen Landesstellenplanung – eine gemeinsame LSP PD (inkl. KM)
und LSP ÜPD durchführen. Dadurch können wir einen systematischen Überblick
gewinnen über alle AKK-finanzierten Stellen in unserer Landeskirche.
2.2. Wir wollen nach Durchführung der LSP eine wohl abgewogene Verhältnisbestimmung
gewonnen haben zwischen der Stellenanzahl im Bereich LSP ÜPD und LSP PD (inkl.
KM). Wir gehen von einer grundsätzlichen Kontinuität im gegenwärtigen Verhältnis aus.
2.3. Wir wollen bei der kommenden LSP unserer Landeskirche einen inhaltlichen Impuls
geben. Der Impuls, den „Kirche der Freiheit“ gibt, und den ich voll und ganz unterstütze,
ist, dass unsere Kirche missionarischer werden und an geistlicher Vertiefung gewinnen
soll. Mission ist mehr als Mitgliederwerbung. Mission ist einladende Verkündigung des
christlichen Glaubens. Wir werden nur missionarischer in den verschiedenen
Handlungsfeldern und Gemeinden, wenn Menschen erfüllt sind von dem, was sie glauben.
Es bedarf daher vor missionarischer Außenwirkung immer einer geistlich-inhaltlichen
Vertiefung bei den Mitarbeitenden.
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2.4. Wir wollen die Stellenplanung mit dem Konsolidierungsprozess und einer
zukunftsorientierten Personalplanung verbinden. D. h., wir werden zum einen den
Konsolidierungsprozess in angemessenen Schritten nachvollziehen. Wir werden dabei
zum anderen Regelungen schaffen, damit das noch nach 2010 zu reduzierende
theologische Personal ausschließlich auf im Stellenplan ausgewiesenen Stellen zum
Einsatz kommt. Dies bedeutet nicht nur eine stellenplanmäßige Klarheit, sondern muss für
die betroffenen Personen sinnvolles Arbeiten und verlässliche Rahmenbedingungen
gewährleisten. Dass Pfarrer und Pfarrerinnen landeskirchenweit das Gefühl vermittelt
bekommen „wir sind überzählig und zu viel“ muss vermieden werden. Seit Beginn des
Konsolidierungsprozesses wurden die Einsätze der Pfarrer und Pfarrerinnen im
Gemeindedienst um ca. 5 % reduziert. (Daher haben wir, inklusive der
Rotationsvakanzen, von ca. 3,5 % einen Vakanzdurchschnitt landeskirchenweit von
8,5 %). Es ist nicht damit zu rechnen, dass diese Vakanzquote in den kommenden Jahren
deutlich steigt, da nun sehr kleine Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Mehr als eine 5 %-
Kürzung wird nicht sofort umzusetzen sein. Wie rasch dann weitere Stellenkürzungen
umgesetzt werden können, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie viele junge Pfarrer und
Pfarrerinnen wir ab 2014 in den Probedienst übernehmen. Bei der Bestimmung der Zahl
der Aufnahmen ist einerseits die durch die Konsolidierung intendierte Reduzierung von
dotierten Dienstverhältnissen zu berücksichtigen wie auch der massive Abbau an dotierten
Dienstverhältnissen, der ab dem Jahr 2019 für 15 Jahre lang kommen wird.
2.5. Wir müssen nach realistischen, menschlichen Prognosen davon ausgehen, dass die
Gemeindegliederzahl in Zukunft kontinuierlich sinkt. Wir gehen bei unseren
Berechnungen bisher von einer Senkung der Gemeindegliederzahlen bis 2025 um 12 %
aus. Diese Zahl wird in unterschiedlichen Regionen deutlich höher oder deutlich niedriger
ausfallen. Daher sollten wir mit der Landesstellenplanung zugleich ein System flexibler
Dynamisierung beschließen, das es ermöglicht, auf den Rückgang von
Gemeindegliederzahlen mit Stellenreduzierungen (oder ggf. auch auf echten Zuwachs mit
Stellenmehrungen) zu reagieren, ohne jedes Mal eine neue Landesstellenplanung
durchführen zu müssen. (Vgl. aber auch Punkt 1.4.; D.h. es geht auch bei diesem System
der Dynamisierung um die Anwendung des „Kriterienbündels“). Dieses System flexibler
Dynamisierung darf allerdings nicht das Gefühl pausenloser Veränderung auslösen,
sondern muss den Dekanatsbezirken Planungssicherheit aufgrund nachvollziehbarer
Kriterien ermöglichen.
2.6. Bei der bisherigen LSP PD war für die kirchenleitenden Organe, die Dekanatsausschüsse
und Kirchengemeinden nur erkennbar, wie viel Stellenanteile für theologische und
theologisch-pädagogische Stellen in Summe einer Gemeinde zusteht. Diese fehlende
Differenzierung im Ansatz – die von etlichen Dekanatsbezirken beklagt wurde - führte
dann faktisch auch zu manch fehlender Differenzierung in der Praxis und zu
überproportional großen Sprengeln. Daher wurden in Folge z. B. theologischpädagogischen
Mitarbeitenden kurzerhand Sprengel zugewiesen. Das war und ist nicht
sinnvoll. Theologisch-pädagogisches Personal hat seine eigene Qualifikation und soll der
Qualifikation dem jeweiligen Berufsprofil entsprechend eingesetzt werden können.
Sinnvoller ist es daher die Stellenanteile für theologische und theologischpädagogische
Stellen gesondert auszuweisen. Beide Stellenkontingente, das
theologische und das theologisch-pädagogische soll wie bisher dem Dekanatsbezirk
zugeteilt werden. Die theologisch-pädagogischen Stellen können dann durch den
Dekanatsausschuss gezielt besonderen Aufgaben oder Gemeinden oder Regionen
zugewiesen werden, je nachdem wie die Anforderungen vor Ort sind. Da diese
theologisch-pädagogischen Stellen dann Gemeinden oder Regionen oder aber bestimmten
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Aufgaben im Dekanatsbezirk zugedacht werden könnten, hätte der Dekanatsbezirk damit
auch die Möglichkeit theologisch-pädagogische Stellen - analog zu den theologischen REStellen
- ggf. mit einem besonderen Aufgabengebiet für den Dekanatsbezirk insgesamt zu
versehen. Dies erhöht für den Dekanatsbezirk die inhaltliche und lokale Flexibilität bei der
Zuteilung von theologisch-pädagogischen Stellen und lässt die unterschiedlichen Profile
der Berufsausbildungen, z. B. für Jugendarbeit, für Erwachsenenbildung, für Verwaltung
(bei Verwaltungsdiakonen) etc. eher zum Tragen kommen und schafft größere
Gerechtigkeit bei Sprengelgrößen. Dies erhöht in Folge auch die Flexibilität in der
Verteilung der theologischen RE-Stellen, die von manchen Dekanatsbezirken lieber
stärker gemeindebezogen (z. B. Springerdienst) eingesetzt worden wäre als mit
handlungsfeldbezogenem Profil (Öffentlichkeitsarbeit; Erwachsenenbildung).
2.7. Bisher hatten wir nur für den Bereich der LSP PD Projektstellen (15,5). Da für den
Bereich ÜPD keine Projektstellen vorhanden waren, wurde dieses Kontingent auch für
Ziele im Bereich ÜPD vergeben. Die LSP 2010 soll für den ÜPD-Bereich
Projektstellenkapazität durch Umschichtung schaffen. Eine allzu strenge Trennung der
Kontingente für ÜPD und PD macht aber keinen Sinn, weil die Widmungen und
Aufgabenzuschnitte der Stellen häufig bewusst Anliegen aus PD und ÜPD verknüpfen.
3. Welche wesentlichen Klärungsaufgaben für die Landesstellenplanung
liegen vor uns?
3.1. Wie verhalten sich die Kürzungen des Konsolidierungsprozesses in Parochie und
ÜPD zueinander? Wenden wir den Blick exemplarisch auf die Pfarrstellen: Wie
bestimmen wir bei der kommenden LSP, mit welcher Stellenkürzung die Reduktionen des
Konsolidierungsprozesses im Bereich der Parochie und im Bereich ÜPD jeweils erfüllt
sind? Im Bereich Parochie ist sukzessive von einer Kürzung von 10 - 13% bei den
Pfarrstellen im landeskirchlichen Durchschnitt (!) auszugehen, um den
Konsolidierungsprozess nachzuvollziehen. Die Frage der angemessenen
Verhältnisbestimmung von Parochie und ÜPD wäre aber nicht gelöst, wenn Parochie und
ÜPD gleichermaßen eine Stellenkürzung von 10 – 13 % verordnet würde. Denn der
Konsolidierungsprozess verlief im Bereich ÜPD und im Bereich Parochie völlig anders.
Dem Bereich ÜPD wurden bereits finanzielle Kürzungssummen auferlegt. Die
Einrichtungen waren darin frei, wie sie die Kürzung erbrachten. Waren beispielsweise
20% an finanzieller Kürzung verordnet, so wurden die 20 % längst nicht vollständig in
Form von Stellensperrungen erbracht, sondern häufig wurden Prozesse optimiert und
Sachkosten drastisch gekürzt. Teilweise wurde eine Stellenkürzung ganz vermieden, weil
es das „Aus“ für eine kleine Einrichtung bedeutet hätte oder z. B. wie bei den
Hochschulen die Ausbildungsvorgaben zukünftig nicht erfüllbar gewesen wären.
Insgesamt wurde aber im Bereich ÜPD eine Kürzung von 15,5 % erbracht. Würde nun
beiden Bereichen eine Kürzung der Stellen von 10 – 13 % verordnet, käme das einer
Doppelkürzung des Bereichs ÜPD gleich. Sagen wir aber umgekehrt, dass der Bereich
ÜPD die Konsolidierung erbracht hat und insofern nicht weitere Stellenkürzungen
gefordert werden können, dann bedeutet dies, dass wir im Bereich ÜPD wesentlich
weniger Stellen streichen werden als im Bereich Parochie. Vermutlich wird es aber darauf
hinauslaufen müssen. Dass es dabei trotzdem nicht zu einer Ungerechtigkeit – durch
geringere Stellenkürzung im Bereich ÜPD als im Bereich Parochie – kommen wird, wird
im wesentlichen darin liegen, dass die Kürzungen im Bereich Parochie wesentlich
langsamer umgesetzt werden können, weil der Abbau des theologischen Personals auch
nur sukzessive voran schreitet. Wie auch immer die Lösung für das Stellenverhältnis PDÜPD
aussehen wird - hier ist sicher noch Diskussions- und Klärungsbedarf.
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3.2. Wie vereinbaren wir Stellenplanung und Personalplanung? Der Abbau der
theologisch-pädagogischen Stellen wird bei der kommenden LSP wohl vollzogen werden
können, weil der Abbau der theologisch-pädagogischen Einsätze zumindest im Bereich
der Dienstverhältnisse von Diakonen und Diakoninnen und Religionspädagogen und
Religionspädagoginnen dann im Wesentlichen vollzogen sein wird. Allein der Bereich der
privatrechtlich Angestellten macht uns Sorgen, da die Flexibilität bezüglich des
Dienstortes – anders als insbesondere bei den Diakonen und Diakoninnen - hier nicht
ausreichend gegeben ist. Auch diese Problematik wird grundsätzlich zu bedenken sein.
Der Abbau der dotierten Dienstverhältnisse im Pfarrerbereich wird 2010 sicher noch
nicht vollends vollzogen sein. Zum einen wurde hier der Umsetzungszeitraum bis 2012
gestreckt. Zum anderen wird er sich vermutlich weiter verzögern. Ab 2019 wird es dort zu
einem enormen Dienstverhältnisabbau kommen, der prozentual über die prozentuale
Verringerung der Gemeindegliederzahlen hinausgehen wird. Vorausgesetzt wir kommen
zu dem Ergebnis, den Abbau weiter strecken zu müssen und die Mittel dafür aufbringen
zu können, dann muss die Landesstellenplanung Vorkehrungen treffen, damit wir nicht
wieder wie früher Einsätze ohne Stellen schaffen, sondern nur stellenplanmäßig
ausgewiesene, transparente Einsätze haben. Dies bedeutet, dass in der LSP 2010 der
Stellenabbau gestuft beschlossen werden muss. Wir werden vermutlich in jedem Dekanat
stufenweise überplanmäßige Stellen ausweisen, deren Stelleninhaber und
Stelleninhaberinnen dann auch zu Springerdiensten oder gezielten Projekten heran
gezogen werden können. Die Dekanatsbezirke werden selbst bestimmen können, welche
dieser überplanmäßigen Stellen zuerst aufgeben werden.
3.3. Letztendlich wird es bei der Landesstellenplanung aber nicht nur um eine Nacharbeit der
Konsolidierung gehen, sondern wir haben vielmehr die Aufgabe, eine Perspektive zu
entwickeln für die Zukunft der Stellendichte in unserer Landeskirche. Wie soll sich die
Zahl der theologischen und theologisch-pädagogischen Stellen entwickeln angesichts des
Rückgangs von Gemeindegliederzahlen? Wir sollten dazu klare Vorstellungen entwickeln.
3.4. Wie vermeiden wir übergroße Härten in der Diaspora? Stellenkürzungen in der
Parochie werden sich für die Diaspora am härtesten auswirken. So werden beispielsweise
die Vertretungsmöglichkeiten bei einer geringen Stellendichte pro Quadratkilometer
deutlich schwieriger werden. Dies wird bei der zukünftigen LSP zu berücksichtigen sein.
3.5. In gewisser Weise mit der Landesstellenplanung verbunden ist die Frage nach dem Dienst
der Lektoren und Prädikanten bzw. Lektoren und Prädikantinnen. Angesichts von
kommenden Reduzierungen von Stellen brauchen wir zum einen gut qualifizierte
Ehrenamtliche im gottesdienstlichen Verkündigungsdienst. Zum anderen ist darauf zu
achten, dass in Regionen, in denen in besonderer Weise der Dienst von Prädikanten und
Lektoren bzw. von Prädikantinnen und Lektorinnen gebraucht wird, geeignete Personen
aus- und fortgebildet werden. Entscheidend für die In-Dienstnahme dieser Ehrenamtlichen
im Verkündigungsdienst ist neben der Eignung der Bedarf. Die Anzahl der
Ehrenamtlichen im Verkündigungsdienst ist nicht in die Stellenanzahl einzurechnen. Das
wird dem Charakter des Ehrenamtes nicht gerecht. Doch kann die Frage gestellt werden,
ob die Dichte an Predigstellen pro Gemeindeglieder nicht eine Obergrenze bei der
Definition der Kriterien haben kann, weil davon auszugehen ist, dass jenseits dieser
Obergrenze der Dienst nur mit Hilfe von Ehrenamtlichen (dazu gehören auch die Pfarrer
und Pfarrerinnen im Ruhestand) zu bewältigen ist, oder andernfalls die Anzahl der
Predigtstellen reduziert werden muss. Das ist eine sehr heikle und von meiner Seite aus
offene Frage, weil die Inanspruchnahme solcher Predigtstellen sehr unterschiedlich sein
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kann und bei größerer Dichte trotzdem größer sein kann als bei geringerer Dichte. Die
Frage steht freilich im Raum.
3.6. Wie werden wir den spezifischen Anforderungen in Stadt und Land gerecht? Wir
haben gegenwärtig Spreizungen an Gemeindgliedern pro Pfarrstelle zwischen 800 und
über 3000 Gemeindeglieder. Schon jetzt zeichnet sich im Blick auf die kommende
Landesstellenplanung eine Konkurrenzhaltung zwischen Stadt und Land ab. Es wird daher
vor der Landesstellenplanung 2010 darum gehen müssen, die spezifischen Anforderungen
von Stadt und Land – und auch der Wachstumsregionen im Umkreis der Städte -
wahrzunehmen und spezifisch darauf einzugehen. Wie unsere Kirche in Stadt und Land
und Wachstumsregion missionarische Kirche sein kann, wird jeweils unterschiedlich
gestaltet sein müssen. (siehe Punkt 3.6.)
3.7. Wie kann der inhaltliche Impuls der LSP sich auswirken? Nehmen wir exemplarisch
den Impuls „zum Glauben einladende – missionarische - Kirche“. Schon jetzt ist zu hören,
dass gerade der Impuls „missionarische Kirche werden“ dazu verwendet wird, für die
Stadt im Verhältnis mehr Stellen zu fordern, als bisher im Verhältnis zum Land vorhanden
waren. Die These: Je mehr Stellen desto mehr missionarische Kraft ist aber ein
Trugschluss. Dann hätte die Stadt vor Durchführung der letzten LSP ungewöhnlich
missionarisch sein müssen. Das Gegenteil wurde heftig beklagt. Wenn wir also in Stadt
und Land einladend zum Glauben sein wollen und missionarisch wirken wollen, dann
wird dies nicht über quantitative Zuweisung von Stellen zu regeln sein. Wenn wir diesen
Impuls wollen, dann wird es m. E. dafür Stellen bzw. Stellenanteile brauchen, deren
Stelleninhaber und Stelleninhaberinnen für diese Aufgabe, die uns allen gilt (!), einen
besonderen Auftrag haben, um missionarisches Handeln durch praktisches Tun, durch
koordinierendes Handeln (missionarische Kompetenz, die bei den verschiedenen
Mitarbeitenden und Einrichtungen vorhanden ist vernetzen) und durch qualifizierendes
Handeln (andere befähigen zu missionarischem Handeln) zu unterstützen. Dabei hat die
Weiterarbeit am Impulspapier „Kirche der Freiheit“ deutlich werden lassen, dass zur
missionarischen Wendung nach außen, notwendig das Innehalten vor Gott gehört. Die
Missionarische Bewegung nach außen muss verbunden sein mit geistlicher Vertiefung.
Wer weiß, was er glaubt und selbst davon überzeugt und getragen ist, wird die Botschaft
weitertragen. Ohne geistliche Vertiefung degeneriert Mission zu flacher Werbung und
Mittelbeschaffung im Versuch der Stabilisierung des status quo. Wie kann es uns
gelingen, durch strukturelle Prioritätensetzungen Weichen zu stellen zu geistlicher
Vertiefung und missionarischer Bewegung?
Gut ist es, wenn es uns gelingt, aufeinander zu hören. Was sind die Spezifika der Probleme
und Chancen von ÜPD und Parochie, wie sieht missionarisches Handeln verbunden mit
geistlicher Vertiefung in der Stadt aus, wie in den Wachstumsregionen auf dem Land im
Gürtel um die großen Städte, wie auf dem Land? Es geht doch um unsere Kirche und um das
Evangelium, das uns gemeinsam geschenkt ist. Wo wir auch herkommen, wir haben
Verantwortung für das Land und die Stadt und die Diaspora, für ÜPD und Parochie, für
unsere Kirche, für das Evangelium. Lassen Sie uns daher vor allem aufeinander hören und
von einander lernen. Dazu haben wir jetzt die Zeit.
Dr. Dorothea Greiner 6. Juli 2007